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Berufsordnung
 
Artikel 1, Grundsatz
 
Tierheilpraktiker dienen der Gesundheit der von ihnen behandelten Tiere und der sich aus dem Tierschutz ergebenden Pflichten. Erfahrungen aus der tierheilkundigen Überlieferung und modernen medizinischen Erkenntnissen werden zum Wohle der Tiere und ihrer Halter gleichermaßen angewandt.
 
Tierheilpraktiker verhalten sich bei Ausübung des Berufes, wie auch im Privaten stehts der Würde des Berufsstandes und vermeiden alles was dem Ansehen und der Würde des Standes abträglich ist.
 
Die Ausübung des Tierheilpraktikerberufes ist eine freiberufliche Tätigkeit.
 
 
Artikel 2, Berufspflichten
 
Tierheilpraktiker verpflichten sich den Beruf gewissenhaft auszuüben und stehts nur die Heilmethoden anzuwenden, die nach ihrer Überzeugung auf dem einfachsten und schnellsten Weg und ohne Schädigung des Tieres zum Heilerfolg führen oder Linderung verschaffen.
 
Tierheilpraktiker verpflichten sich bedenkliche Heilmittel in der Praxis nicht anzuwenden, insbesondere nicht bei der Behandlung von Tieren, die der Lebensmittelgewinnung dienen. Tierheilpraktiker sind verpflichtet die Tierhalter auf die Einhaltung der gesetzlich vorgeschriebenen Wartezeiten hinzuweisen.
 
Tierheilpraktiker sollen sich der Grenze ihres Wissens und Könnens bewusst sein. Insbesondere müssen die Grenzen der gesetzlich vorge- schriebenen Einschränkungen beachtet werden.
 
Tierheilpraktiker sind in der Ausübung ihres Berufes frei. Niemand ist berechtigt die Art der Behandlung eines Tieres vorzuschreiben. Tierheilpraktiker können eine Behandlung ablehnen, wenn sie der Überzeugung sind, dass der betreffende Tierhalter seine Sorgfaltspflicht missachtet und ein Vertrauensverhältnis zwischen Therapeut und Tierhalter nicht besteht. Die Verpflichtung in Notfällen zu helfen bleibt unberührt.
 
  
Artikel 3, Schweigepflicht
 
Tierheilpraktiker verpflichten sich über alles zu schweigen was ihnen in Ausübung der Berufes anvertraut oder zugänglich gemacht wird. Unberührt hiervon bleiben Verstöße gegen das Tierschutzgesetz, sowie die Pflicht zur Meldung von Seuchenkrankheiten nach dem Tierseuchengestz.
 
Tierheilpraktiker müssen alle Personen die ihnen in Ausübung des Berufes behilflich sind auf die Schweigepflicht hinweisen.
 
Die Offenbarung eines Berufsgeheimnisses ist dann gerechtfertigt wenn sie zur Erfüllung einer Rechtspflicht notwendig ist oder das betrohte Rechtsgut überwiegt.
 
Auskünfte an Versicherungen sollen im Einvernehmen mit dem Tierhalter baldigst und nach bestem Wissen und Gewissen gegeben werden.
 
 
Artikel 4, Fortbildungspflichten
 
Tierheilpraktiker sind zur ständigen Fortbildung verpflichtet. Die Fortbildung ist nachzuweisen. Die Berufsorganisationen sind verpflichtet Fortbildungs- veransteltungen anzubieten.
 
Fortbildungsnachweise können nur vom Berufsverband oder durch vom Berufsverband autorisierte Organisationen und Personen ausgegeben werden. Die Nachweise sind aufzubewahren.
 
Fortbildungsnachweise von Organisationen die nicht vom Berufsverband anerkannt sind zählen nicht als Nachweis im Sinne der Berufsordnung.
 
  
Artikel 5, Praxis
 
In der Regel übt ein Tierheilpraktiker seinen Beruf in einer Praxis am Wohnort aus oder als Fahrpraxis. Die Räumlichkeiten der Praxis sollen den allgemeinen hygienischen Anforderungen entsprechen. Die Räume der Praxis dürfen außerhalb der Sprechzeiten keinen anderen Zwecken dienen. Die Unterhaltung weiterer Praxen (Zweit- oder Drittpraxen) ist im Rahmen der gesetzlichen Bestimmungen zulässig. Alle im Namen auf den Tierheilpraktiker angemeldeten Praxen müssen dem Berufsverband gemeldet werden.
 
Auf dem Praxisschild ist mindestens die Bezeichnung "Tierheilpraktiker" und den "Namen des Tierheilpraktikers / Tierheilpraktikerin" anzugeben. Das Schild darf zusätze über akademische Grade, Titel, Sprechzeiten und Telefonnummern enthalten. Das Schild darf ferner Hinweise über die Art der Tätigkeit bzw. der behandelten Tierarten enthalten, z.B. "Klein- und Großtiere", "Geflügel", "Homöopathie", "Phytotherapie" und ähnliches, jedoch nicht mehr als 3 Hinweise. Nicht zulässig sind hingegen Bezeichnungen wie "Spezialist", "Fachtierheilpraktiker für ...", "Diplomtierheilprakziker" und ähnliches.
 
Die Größe des Schildes soll ortsübliche Maße (in der Regel 30 x 50 cm) nicht übersteigen.
 
Tierheilpraktiker verzichten auf die Führung von akademischen Graden wenn diese nicht an einer Hochschule der Bundesrepublik Deutschland erworben sind oder von einer zuständigen Behörde zur Führung in der Bundesrepublik zugelassen wurden. Entsprechendes gilt für die Bezeichnung wie "Professor", "Privatdozent" und ähnliches.
 
Für Vordrucke auf Briefbögen, Formularen und Stempeln gelten die unter Praxisschild aufgeführten Richtlinien.
 
  
Artikel 6, Werbung
 
Tierheilpraktiker verpflichten sich jede unstandesgemäße Werbung zu unterlassen. Veröffentlichungen jeder Art nicht mit einer Werbung für die eigene Praxis zu verbinden. Berichte über Behandlungen nur in Fachzeitschriften zu veröffentlichen. Keine Fernbehandlung anzubieten oder durchzuführen. Keine unentgeldliche Behandlungen anzubieten oder durchzuführen. Es ist zulässig nur aufgrund eingesandter Körperflüssigkeiten, Haar- oder anderen Materials Diagnosen zu erstellen oder Behandlungsempfehlungen zu geben.
 
Eine sachliche Werbung in den Printmedien und dem Internet mit Angaben zur Praxis wie etwa Adresse, Praxis- und Sprechzeiten, Spezialisierungen ist unter Berücksichtigung der geltenden Gestze und Vorschriften erlaubt. Für alle Anzeigen in Printmedien gilt, dass Form und Größe für solche Anzeigen übliche Maß nicht übersteigen soll.
 
Sprechzeiten sollen mindestens an der Praxistür angekündigt werden. Tierheilpraktiker sollen dafür Sorge tragen, dass die Tierhalter sie auch in Notfällen außerhalb der Sprechzeiten erreichen können.
 
  
Artikel 7, Zeugnisse und Gutachten
 
Zeugnisse und Gutachten sollen Tierheilpraktiker nach bestem Wissen und Gewissen ausfertigen. Zweck und Empfänger sind anzugeben. Gutachten und Zeugnisse über Heilmittel dürfen nur in Fachzeitschriften veröffentlicht werden.
 
  
Artikel 8, Gebühren
 
Tierheilpraktiker sind in der Höhe ihrer Gebühren frei. Als Grundlage  für die Gebühren soll das von der Kooperation deutscher Tierheilpraktikerverbände herausgegebene  Gebührenverzeichnis angewandt werden.
 
  
Artikel 9, Verkauf und Verpachtung einer Praxis
 
Beim Verkauf einer Praxis dürfen dem Kaufpreis nur die tätsächlich dem Käufer übergebenen Gegenstände und Einrichtungen zugrundegelegt werden. Für Tierheilpraktiker ist es standesunwürdig erwerbsmäßig Praxiskauf und Verkauf zu betreiben. Beim Verkauf oder Verpachtung einer Praxis  sollen dem Berufsverband die Verträge zur Einsichtnahme und Beratung vorgelegt werden.
 
  
Artikel 10, Arzneimittel
 
Vertrieb, Abgabe und Anwendung von Arzneimittel sind nach gesetzlichen Bestimmungen durchzuführen. Insbesondere sind die Bestimmungen des Arzneimittelgesetzes zu beachten. Tierheilpraktiker dürfen verschreibungspflichtige Arzneimittel nicht erwerben, anwenden oder abgeben.
 
Apothekenpflichtige Arzneimittel dürfen nur in der Apotheke erworben und in der Ausübung der Praxis angewendet, aber nicht abgegeben werden. Der Umgang mit apothekenpflichtigen Arzneimitteln muss bei Eröffnung der Praxis schriftlich der zuständigen Behörde mitgeteilt werden (§ 67 AMG). Außerdem muss über den Erwerb und Verbrauch der apothekenpflichtigen Arzneimitteln Nachweise geführt und auf Verlangen vorgelegt werden (§ 64 AMG, AATV).
 
Tierheilpraktiker können frei verkäufliche Arzneumittel erwerben und anwenden, abgeben oder Hnadel damit betreiben , wenn der Sachkundenachweis § 50 AMG erworben wurde.
 
  
Artikel 11, Haftpflicht
 
Tierheilpraktiker sollen eine Berufshaftpflichtversicherung abschließen. Der Berufsverband kann Versicherungsgesellschaften empfehlen, die günstige Gruppentarife für Tierheilpraktiker anbieten. Von der Einleitung und dem Verlauf von Straftaten und der Geltendmachung von Schadenersatzansprüchen soll dem Berufsverband unverzüglich und in aller Offenheit Mitteilung gemacht werden.
 
  
Artikel 12, Meldepflicht und Anzeigepflicht
 
Tierheilpraktiker müssen die Eröffnung ihrer Praxis bei den zuständigen Ämtern (Veterinäramt, Finanzamt, Verwaltungsbehörde, Arzneimittelüberwachungs- behörde und der Berufsgenossenschaft) anmelden.
 
  
Artikel 13, Hilfskräfte
 
Tierheilpraktiker können in ihrer Praxis Hilfskräfte anstellen. Die Beschäftigten sind sozialversicherungspflichtig und in der Sozialversicherung anzumelden. Die gesetzlichen Bestimmungen über die Beiträge zu den Sozialversicherungen sind zu beachten.
 
  
Artikel 14, Berufsaufsicht
 
Tierheilpraktiker unterstellen sich in ihrem eigenen Interesse und im Interesse des Berufsstandes der Aufsicht ihres Berufsverbandes. Vom Berufsverband aus gegebenen Anlass erbetene Auskünfte über Tätigkeit, Arbeitsweise und Heilerfolge sollen vom Tierheilpraktiker im Rahmen der Zumutbarkeit beantwortet werden.
 
Der Berufsverband bzw. des Beauftragte haben das Recht sich über die ordnungsgemäße Berufstätigkeit des Tierheilpraktikers an Ort und Stelle zu unterrichten.
 
Tierheilpraktiker verpflichten sich Anordnungen ihres Berufsverbandes nachzukommen. Gegen Anordnungen, die nach Ansicht des Tierheilpraktikers ungerechtfertigt sind kann der Tierheilpraktiker beim zuständigen Organ des Berufsverbandes Beschwerde einreichen.
 
  
Artikel 15, Standesdisziplin
 
Tierheilpraktiker verhalten sich Kollegen gegenüber kollegial und üben keine unsachgemäße Kritik an Berufskollegen. Unsachgemäße Kritik an den Maßnahmen und Behandlungsmethoden sind zu vermeiden.
 
  
Artikel 16, Zuweisung gegen Entgelt
 
Es ist nicht standeswürdig, dass Tierheilpraktiker sich gegenseitig Patienten gegen Entgelt zuweisen.
 
  
Artikel 17, Bestandsberatung
 
Tierheilpraktiker können in landwirtschaftlichen Betrieben Bestandberatungen durchführen. Die Bestandsberatung ist nach bestem Wissen und Gewissen durchzuführen. Sie dient der Behandlung und Vorbeugung gehäuft auftretender Krankheiten. Die Vergütung richtet sich nach Bestandsgröße und erforderlichen Zeitaufwand. Bei der Betreuung des Betriebes sind die tierseuchenrechtlichen und arzneimittelrechtlichen Bestimmungen einzuhalten. Tierheilpraktiker können mit den Tierhaltern Beratungs- und Behandlungsverträge abschließen.
 
  
Artikel 18, Verstöße gegen die Berufsordnung
 
Verstöße gegen die Berufsordnung können im Wege eines ehrengerichtlichen und gerichtlichen Verfahrens geahndet werden. Vorher sollte der Versuch einer kollegialen Einigung vor dem zuständigen Gremium des Berufsverbandes unternommen werden. In einem solchen Verfahren kann darüber entschieden werden, ob ein Tierheilpraktiker wegen beruflicher Untüchtigkeit aus dem Bundesverband ausgeschlossen werden soll.
 
Streitigkeiten in Berufsfragen zwischen Berufsverbandsmitgliedern können vom hierfür zuständigen Gremium entschieden werden. Der ordentliche Gerichtsweg ist damit nicht ausgeschlossen. Verstöße gegen die Berufsordnung können mit Bußgeld bis zweittausen Euro geanhndet werden.
 
  
Artikel 19, Geltungsbereich
 
Diese Berufsordnung gilt für alle Tierheilpraktiker und basiert auf der Grundlage der geltenden rechtlichen Bestimmungen und Gesetze.
 
  
Artikel 20, Änderungen
 
Änderungen und Ergänzungen der Berufsordnung können nur von der Kooperation deutscher Tierheilpraktikerverbände beschlossen werden.
 
  
Artikel 21, Inkrafttreten
 
Diese Berufsordnung wurde von der Kooperation deutscher Tierheilpraktikerverbände beschlossen und tritt am 28. März 1998 in Kraft.
 
 
Quelle: Tierheilpraktiker-Verbände
   
© Tanja Kulik 2012
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